Die Geschichte des Karate

Die Geschichte des Karate

Die Geschichte des Karate
Das Karate in seiner heutigen Form kam aus Okinawa, der größten Insel der Ryuku-Inseln. Okinawa liegt weit abgelegen, von Kyushu etwa 500 Kilometer, von Taiwan etwa 600 und vom chinesischen Festland sogar 800 Kilometer entfernt. Dennoch kreuzten sich hier viele Handelswege, so dass viele politische Flüchtlinge auf den Inseln Zuflucht vor Verfolgung suchten. Im 12. Jahrhundert, als die Samurai ihre letzte Schlacht bei Dannoura gegen die siegreichen Truppen der Minamoto verloren, flohen viele von ihnen nach Okinawa. Dadurch kamen die Bewohner von Okinawa mit den sehr guten Kampfkünsten in Kontakt und der erste König von Ryukyu, Chunten (im 13. Jh.), widmete dem Kriegshandwerk viel Aufmerksamkeit. Eine lange Zeit konnte sich Ryukyu seine Selbständigkeit bewahren, bis im Jahre 1372 König Satsudo die Oberhoheit Chinas anerkannte. Der Ming-Kaiser entsandte sofort einen Botschafter, welcher jedoch nach kurzer Zeit durch einen Militärbevollmächtigten ersetzt wurde. Kurze Zeit später trafen in der Hauptstadt Naha viele chinesische Siedler ein, welche die Einwohner in der Seefahrt, der Buchdruckerkunst und in anderen Handwerken unterrichteten. Mit dem Eintreffen der Chinesen begann auch die Verbreitung des chinesischen Kempo. Es gibt auch die Auffassung, dass das Karate als autonome Kampfkunst auf Okinawa entstanden sei, aber das kann nicht durch Tatsachen begründet werden, genau wie man den chinesischen Einfluss nicht überbewerten sollte.

Bereits im 14. Jh. entstanden auf Okinawa viele neue Stile, Formen und Richtungen. Leider gibt es nur sehr schlechte Überlieferungen bis ins 18. Jahrhundert hinein, so dass über das Karate in Okinawa keinerlei konkrete Aussagen getroffen werden können. Fest steht, dass es existierte. 1429 vereinigte König Shahashi die drei Gebiete Okinawas und um Aufstände zu unterbinden, verbot er das Tragen von Waffen. Ausgenommen davon waren die höchsten Feudalherren, Beamten und Soldaten. Damit war das Volk der Willkür seines Herrschers ausgesetzt. Viele suchten nun einen Ausweg und erlernten das Kempo.

Im 17. Jahrhundert wurde das Volk hart bestraft, weil es sich nicht an einem Feldzug gegen Korea beteiligte. Daraufhin unterwarf Japan das Volk und knechtete es. Wieder wurde der Besitz scharfer Waffen verboten und eine Jagd nach den Schwertern (katanagari) begann. Um eine Waffenherstellung unmöglich zu machen, wurden alle Schmieden geschlossen sowie den Einwohnern sämtliche metallische Gegenstände entzogen. Die Bauern waren nicht mehr in der Lage, sich zu verteidigen. Aus diesem Grund gründeten sie geheime Sekten, in denen sie das Kempo trainierten. An erster Stelle standen dabei die Orte Naha, Shuri und Tomari. Hier entstanden die Stile Naha Te, Shuri Te und Tomari Te. Während des gesamten 17. Jahrhunderts agierten diese Schulen (te) im Untergrund und die Schüler legten einen Blutschwur ab, das Geheimnis ihrer Existenz zu wahren. In diesen Schulen entstanden nun neue Trainingsmethoden, wie das Schlagen in einen Eimer voll Bohnen oder das Makiwara. Auch entstanden in dieser Zeit Waffen, wie der Bo, das Nunchaku, das Kama, das Tonfa oder die Sai-Gabeln.

Als sich im 18. Jahrhundert der Befreiungskampf gegen die Japaner beruhigte und in eine friedliche Verschmelzung der Kulturen überging, kamen die Meister der verschiedenen Stile aus ihrem Untergrund. Leider ist nicht festzustellen, welche Meister im Untergrund tätig waren, daher wird vermutet, dass sich die Bauern damals bei den Chinesen Rat holten. Bis ins 20. Jahrhundert wurde das Karate auf Okinawa in zwei Schriftzeichen dargestellt: zum einen das Schriftzeichen Kara (China) und zum anderen das Schriftzeichen Te (Hand).

Im 20. Jahrhundert änderte der Vater des modernen Karate, Gichin Funakoshi, das Schriftzeichen Kara (nun zu der Bedeutung "Leere" oder "Himmel"). Jeder der damaligen Kempo-Meister lieferte einen Beitrag zur Entstehung des Karate auf Okinawa, einer aber ganz besonders: Matsumura Sokon. Er kam aus Shuri und war der Vater des Shurinryu. Er lehrte ein hartes, schnelles und kraftvolles Karate. Seine Hauptforderungen an Karate waren Schnelligkeit, Plötzlichkeit, Kraft und beste Kenntnisse der Basistechniken. Matsumura dominierte eine lange Zeit auf Okinawa. Wesentlich verbessert wurde sein Stil durch seinen Schüler Asato Anko. Alle Gründer der modernen Stile, wie Funakoshi Gichin (Shotokan), Miyagi Chojun (Gojoryu), Mabuni Kenwa (Shitoryu), Higaonna (Kanryo) waren seine Schüler.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kristallisierten sich zwei Stilrichtungen heraus: Shoreiryu und Shorinryu. Beide Stile wurden vom Volk sehr geliebt, wobei sich viele immer mehr dem Shorin-Stil zuwandten, da er leichter zu erlernen war. Bis heute hat das Karate viele Stile hinzubekommen oder alte Stile wurden reaktiviert und jeder Meister versucht, Verlorenes wiederzubeleben. Hier nur zwei Beispiele von vielen: Masutatsu Oyama (Kyokushinkai) und Dr. Ilija Jorga (Fudokan).

© Copyright Thomas|Thomas Züllich

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