Karate mit Asthma?

Karate mit Asthma?

Karate mit Asthma?

Körperliche Bewegung und Sport stärken nachweislich das Herz-Kreislauf-System und somit auch die körpereigene Immunabwehr. Bewegung kann helfen, Krankheiten vorzubeugen beziehungsweise bereits vorhandene Erkrankungen zu lindern oder ihren Fortgang zu bremsen. Besonders Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten wie Asthma können durch sportliche Betätigung Atemnot reduzieren, ihr gesundheitliches Befinden verbessern und wieder ein aktiveres Leben führen.

Dem steht allerdings entgegen, dass Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen häufig nur eine eingeschränkte Belastbarkeit mit frühzeitigem Auftreten von Atembeschwerden zeigen und körperliche Belastungen daher eher vermeiden. Die Folgen sind eine Schwächung von Herz, Kreislauf und Muskulatur und dadurch bedingt eine Abnahme der Lebensqualität, nicht selten begleitet von Depressionen und zunehmender sozialer Isolation. Diesem Abwärtstrend kann man durch geeignete, dem Schweregrad der Erkrankung angepasste körperliche Trainingsprogramme im Karate entgegengewirken.

Was geschieht bei sportlicher Aktivität?

Die positiven Effekte durch körperliche Aktivität im Karate sind sehr vielfältig. Vor allem das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt und somit auch die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Körpers. So steigt etwa die Zahl roter Blutkörperchen, die entsprechend mehr Sauerstoff transportieren können.
In den Zellen wird zudem die Zahl der Mitochondrien erhöht. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen, mit denen unser Körper Energieträger (beispielsweise Kohlenhydrate) in Energie umwandelt. Ein Mehr an Mitochondrien bedeutet auch eine effizientere Nutzung von Sauerstoff.
Sportliche Aktivität steigert allgemein die Kondition, eine Verbesserung der Lungenfunktionswerte von Patienten mit Lungenerkrankungen ist aber nicht zu erwarten.

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Besonders geeignet für die Stärkung der Lungenfunktion sind Ausdauer-(Konditionssportarten) natürlich angepasst an die körperliche Leistungsfähigkeit.

Auch „kleinere“ Aktivitäten wie Treppensteigen statt fahrstuhlfahren oder auch mal eine Strecke zu Fuß gehen anstatt mit dem Auto zu fahren, wirken sich in ihrer Summe positiv auf die Gesundheit aus.

Welche Sportangebote gibt es für Lungenkranke?

Es gibt eine Menge an ambulante Sportgruppen, die so genannte Lungensportgruppen, welche sich besonders für Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen eignen. Dort sprechen die Teilnehmer zu Beginn der Trainingseinheit über ihr aktuelles Befinden und messen zum Beispiel den Peak-Flow. Es folgen unterschiedliche Aktivitäten, vom gründlichen Aufwärmen über Gymnastik oder Gruppenspiele bis hin zu leichtem Kraft- und Ausdauertraining. Typische Lungensport-Stunden schließen mit einer Entspannungsphase.
Abgesehen vom Sport in diesen organisierten Gruppen eignen sich aber auch individuell ausgeübte Ausdauersportarten wie Radfahren, Wandern und Schwimmen gut für Lungenkranke.

Wie oft und wie intensiv sollte Sport betrieben werden?

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollten sich gesunde Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv körperlich betätigen, Kinder sogar 60 Minuten am Tag. Wie sehr sich die positiven Effekte von Sport auswirken, hängt auch von der „Dosis“ ab. Das heißt, je mehr und je öfter trainiert wird, desto besser, stabiler und nachhaltiger ist auch die Wirkung. Allerdings sollte Sport moderat und mit Erholungsphasen betrieben werden, sonst können sich die positiven Effekte, zum Beispiel die auf das Immunsystem, auch wieder umkehren. Extremsportler neigen öfter zu Infektionen der Atemwege als Nichtsportler. Wichtig ist auch, sich nicht schon am ersten Tag zu sehr zu beanspruchen, sondern sein Trainingsprogramm kontinuierlich zu steigern.

Personen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sollten besonders vorsichtig sein. Sie können zwar sehr von sportlichen Aktivitäten profitieren, aber es gibt auch Situationen, die sie möglicherweise überfordern. Zum Beispiel kann bei Asthmatikern durch Sport ein so genanntes Anstrengungs- oder Belastungsasthma auftreten - eine plötzlich einsetzende Atemnot, die durch die Anstrengung verursacht wird. Weitere Informationen zu Anstrengungsasthma und wie es vermieden werden kann, finden Sie hier.

Auf jeden Fall sollten Menschen mit einer Lungenerkrankung vor dem ersten Termin mit ihrem Lungenfacharzt sprechen und abklären, welche Sportart für sie am besten geeignet ist, welches Pensum sie nicht überschreiten sollten und auf was sie besonders achten müssen. Gegebenenfalls kann der Pneumologe durch einen Lungenfunktionstest ermitteln, wie belastbar die Person ist und wo ihre Grenzen liegen. Außerdem sollte mit dem Arzt abgeklärt werden, welche Medikamente vor dem Sport einzunehmen sind und welche für akute Beschwerden immer mitgenommen werden sollten (zum Beispiel Bedarfsspray bei Asthmatikern).

Wie profitieren Asthmapatienten?

Bei Asthmapatienten konnte durch sportliche Aktivität eine allgemein positive Wirkung auf die Kondition, jedoch keine Verbesserung der Lungenfunktionswerte durch sportliche Aktivität festgestellt werden. Allerdings führte das Training zu einer höheren maximalen Sauerstoffaufnahme und auch höheren maximalen Herzfrequenz, Kondition und Herz-Kreislauf-System wurden gestärkt.

Die Häufigkeit, mit der die Patienten unter Belastung über Atemnot klagten, ging zurück. Gerade für Asthmatiker ist daher ein ihren individuellen Fähigkeiten angepasstes, kontrolliertes Training wichtig, mit dem sie sich nicht überanstrengen.

Auch Allergiker profitieren von Sport vor allem mit einem verbesserten Allgemeinzustand, wobei sie darauf achten sollten, sich während des Trainings nicht ausgerechnet den allergieauslösenden Stoffen auszusetzen. Für Pollenallergiker bedeutet das beispielsweise, zu Zeiten starken Pollenflugs lieber nicht im Freien Sport zu treiben, während Hausstauballergiker draußen besser aufgehoben sind.

Bewegung und Sport im Rahmen von Reha-Maßnahmen

Für Patienten mit Asthma, COPD, Lungenkrebs oder Lungenfibrose ist Sport heute häufig fester Bestandteil der Reha-Behandlung. Selbst bei Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Lungenfunktion erlaubt ein individuell abgestimmtes Trainingsprogramm im Rahmen einer Reha-Maßnahme eine Steigerung der körperlichen Belastbarkeit.

Den positiven Trainingseffekt aus der Reha-Maßnahme aufrechtzuerhalten, gelingt allerdings nur, wenn die Patienten anschließend mindestens einmal pro Woche eine sportliche Aktivität weiterführen. Dafür gibt es an vielen Orten auch Sportangebote bei Vereinen und Landessportbünden, die die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigen. Hier geht es vor allem darum, die Erholung des Körpers zu unterstützen und wieder belastbarer zu werden.

Die Teilnahme an Reha- und Lungensportgruppen kann vom Arzt verordnet werden und wird unter bestimmten Voraussetzungen auch von den Krankenkassen bezahlt.

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