Kyokushinkai

Kyokushinkai

Was ist Kyokushinkai?

Kyokushinkai ist ein japanischer Karate- Stil. Er wurde 1955 von MASUTATSU OYAMA aus der Kombination von Shotokan-ryu und Goju-ryu gegründet. Anfangs nannte er den Stil Oyama-ryu. Der Stil enthält auch viele eigenwillige Elemente Oyamas, die zum Teil aus seinen eigenen Erfahrungen und teils aus anderen Stilen stammen.

Die Bezeichnung des Stils setzt sich aus Kyoku (höchstmöglich, maximal), Shin (Geist, Wahrheit, Tatsächlichkeit) und Kai (Vereinigung, Stilrichtung) zusammen.

Kyokushinkai ist ein harter Wettkampfstil mit K.O.-Regeln.

Bereits 1958 gründete Edward Lowe die hawaiianische Abzweigung des Kyokushinkai und organisierte in den darauffolgenden Jahren in Honolulu das erste öffentliche Kyokushin-Karate-Turnier (First Hawaiian Karate Tournament). 1960 wurde unter der Beteiligung von 16 Ländern dieses Turnier erneut aufgelegt. Als Oyama im Jahre 1965 mit etwa 100 Schülern in sein neues Dojo (Kokusai Karate-Do Kyokushinkai-kan So-Honbu) umzog, ließ er sich als Kancho (Großmeister) bezeichnen und ernannte Nakamura Tadashi zum 1. Shihan.

Der internationale Durchbruch

Als sich eine Gruppe der IKO 1972 in einem Non-contact-Turnier in Paris versuchte und dort unerwartet verlor, schlug Oyama in die Kerbe. Er übte harte Kritik an den Regeln des Non-contact und zog sein Team mit großem Aufsehen von der Meisterschaft zurück. Anschließend erklärte er, daß niemand das japanische Karate besiegen könne, kündigte eine eigene Weltmeisterschaft mit IKO - Regeln an und erklärte öffentlich, dass er Seppuku (Selbstmord) begehen würde, falls seine Leute verlieren sollten. Er ließ Nakamura Tadashi aus Amerika kommen und beauftragte ihn mit der Vorbereitung der Weltmeisterschaft.

Am 1. November 1975 wurde im Rahmen der IKO tatsächlich dieses World Open Karate Tournament in Tokyo organisiert, das von Sato Katsuaki gewonnen wurde. Es war ein Medienspektakel für die gekränkte japanische Ehre, doch die Wettkämpfe waren offensichtlich manipuliert, was zu heftigen Diskussionen führte und Oyama einen zweifelhaften Ruf einbrachte. Kyokushin-Karate wurde zwar bekannt, doch Oyama verlor seinen potentiellen Nachfolger, Nakamura Tadashi, der sich im März 1976 angewidert von ihm abwandte.

Oyama gründete daraufhin in der ganzen Welt Filialen, in denen er Lehrer einsetzte, deren Qualifikation er aufgrund ihm zugesandter Videoaufnahmen bestätigte. So gründete er selbst im europäischen Ostblock Kyokushin-Zentren und hatte viele Anhänger. Doch die meisten guten Lehrer wandten sich von ihm ab und gingen eigene Wege. Heute wird das Kyokushin in 130 Ländern ausgeübt.

Das Kyokushinkai betont den tatsächlichen Kampf nahe dem Realitätsbereich. Wettkämpfe werden nach Voll-Kontakt-Regeln ohne Schützer abgehalten und streben den K.O. - Sieg an. Eine weitere Wettkampfdisziplin ist das Tameshiwari (Bruchtest).
Gekämpft wurde auf seinem Turnier ohne Gewichtsklassen im K.O. - System und ohne Schützer. Verschiedene Stile aus 36 Länder nahmen daran teil. Die ersten sechs Plätze wurden von Japanern belegt: Sato Katsuaki, Royama Hatsuo, Ninomiya Jökö, Oishi Daigo, Sato Toshikatsu, Azuma Takashi und weiter Carles Martin,  Frank Clark und Howard Gollins.

 

Kyokushinkai in Europa

Die bekanntesten europäischen Schüler von Oyama Masutatsu sind Steve Arneil (England) und Job Bluming (Holland). Arneil gründete die British Kyokushin Karate (BKK), die lange Zeit  die wichtigste Kyokushin-Organisation Europas war. Jon Bluming begann 1959 unter Oyama zu trainieren und erreichte den 6. Dan.

Oyama: "Finde einen Gegner, der Bluming im Kampf  K.O. schlägt, und ich gebe ihm meinen 8. Dan."

Bluming unterrichtete JAN PLAS, JAN KALLENBACH und ALAIN SETROUK. In Deutschland ist Kyokushinkai als selbständige Sektion im Deutschen Karate Verband e.V. organisiert und wird von Joachim Eisheuer (7. Dan) geleitet. Mittlerweile ist er eher "selbstständig" im Kampfkunstbereich tätig. Der offizieller Leiter in Deutschland ist für die Gruppe der "Oyama-Witwe": Ingo Freier, 5. Dan, Berlin

 

Karate ist sowohl eine (Kampf-)Kunst wie auch eine Philosophie. Jeder Mensch entwickelt eine von seinen Mitmenschen unterschiedliche Persönlichkeit. Dies spiegelt sich auch in der unterschiedlichen Interpretation des Karate wider. Auf dieser Basis gründeten Karate-Meister ihre eigenen Schulen, in denen sie ihre Form des Karate und ihr Verständnis dafür vermitteln. Die volle Bedeutung eröffnet sich einem erst nach vielen Jahren beständigen Übens. Das Symbol des Kyokushinkai ist das Kanku-Zeichen. Es ist abgeleitet von der Kanku-Kata (Kanku: "In den Himmel blicken"). In dieser Kata werden die Hände hochgehoben. Daumen und Zeigefinger von linker und rechter Hand bilden dabei einen Kreis, durch den der Himmel betrachtet wird. Die feinen Spitzen bilden die Finger. Sie symbolisieren Endgültigkeit oder den Höchststand. Die dicken Teile bilden die Handgelenke; sie stehen für Kraft. Der Mittelpunkt versinnbildlicht Unendlichkeit, bzw. unendliche Tiefe. Das Kanku-Zeichen wird von einem Kreis umschlossen. Er stellt Kontinuität und Kreisbewegung dar.

Kyokushinkai Karate unterscheidet sich von anderen Kampfkünsten unter anderem durch das Fehlen von Gewichtsklassen bei großen internationalen Turnieren, sowie der Durchführung von Tameshiwari (Bruchtest) zur Qualifikation vor jedem Kampf, bzw. Punktegleichheit nach einem Kampf. Außerdem wird ohne Schutzausrüstung (ausgenommen Genitalschutz) bis zum K.O. gekämpft. Trotzdem versteht sich das Kyokushinkai Karate als traditionelles Budo mit Kata (Formenlauf), Khion (Grundschule) und Kobudo (Waffenkampf).

Geschrieben von Uwe Fischer

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Kommentare

Bild des Benutzers Karatedo.Expert

Danke Uwe Fischer für die geschichtliche Übersicht des Kyokushinkai Karate. Ich hoffe bald wieder was von Dir zu lesen.

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