Makiwara Training

Makiwara Training

Makiwara „Makiwara Training ist unentbehrlich, da es die Technik und das Kime entwickelt. Durch gewissenhaftes Training am Makiwara erlernt man wie man die ganze Kraft aus dem Körper, im exakten Moment des Auftreffens, von der Hand in ein Objekt überträgt. Ein weiterer großer Vorteil dieser Arbeit, ist die Entwicklung eines starken Geistes“.
Morio Higaonna (Hanshi Okinawa Goju Ryu)

Einführung

"Maki" bedeutet soviel wie "aufrollen", "Wara" bedeutet "Stroh". Viele bezeichnen den ganzen Pfosten und das Schlagbrett als Makiwara, was prinzipiell nicht wirklich der Wahrheit entspricht. Das Makiwara bezeichnet den Teil, der mit den Fäusten, Ellbogen, Handrücken, Füßen und vielen mehr 'bearbeitet' wird, also prinzipiell jenes "aufgerollte Stroh". Die Entstehung der Makiwara kann nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden. Eine der gängigen Meinungen von Historikern zielt darauf ab, dass das Makiwara bereits vor den Kampfkünsten von verschiedenen Bauern und anderem Volk benutzt wurde um sich fit zu halten.

Es gibt zwei Hauptarten der Makiwara-Tachi (stehende) und Age (hängende). Die Tachi-Makiwara ist ein stehender Pfosten welcher im Boden eingegraben oder mit einem Träger auf dem Boden befestigt wurde. Die Tachi-Makiwara ist meist ein flexibles Brett. Man findet aber auch einige die aus einem runden Pfosten gemacht sind. Das eigentliche Schlagpolster besteht traditionell aus gewickeltem Reisstroh, wird aber mittlerweile hauptsächlich aus Leder oder Leinentuch mit einer dünnen Polsterung aus Schaumstoff gemacht. Bei der Brett-Version kann man nur auf die Vorderseite schlagen, wobei die Pfosten-Version von allen Seiten getroffen werden kann.

Die Age-Makiwara besteht aus einem kleineren gepolsterten Brett, dass an einem Seil aufgehängt wird und es werden damit hauptsächlich Fußtechniken trainiert.

Man findet auch Makiwara die aus einem Bündel Weidenzweige oder Bambusstangen bestehen. Sie sind oben und unten zusammengebunden und werden verwendet für die Abhärtung der Nukite Techniken.

Sensei Funakoshi am der MakiwaraSensei Funakoshi Gichin schrieb: „Die meistverbreitete Art des Trainings von Seiken ist die Verwendung des Makiwara, ein dicker Pfosten umwickelt mit Reisstroh. Übrigens, die Makiwara kann auch zur Stärkung des Shuto, der Ellbogen oder der Knie benutzt werden. Ich denke, ich übertreibe in keinster Weise, wenn ich sage, das Üben am Makiwara ist der Schlüssel zur Entwicklung von starken Waffen.“

Die Makiwara ist nicht nur zum Schlagen da. Sie kann auch zum Entwickeln und Verfeinern von Te-Waza, Ashi-Waza, Uke-Waza, Kime, Tachi-Waza und Tai-Sabaki verwendet werden. Hierzu empfiehlt sich ein Makiwara welches rund ist und in der Mitte des Dojo steht, so dass man von allen Seiten und aus allen Positionen am Makiwara seine Techniken anbringen kann.

Allgemeines

Das üben an der Makiwara ist die Seele des Karate und sollte auch nicht einen einzigen Tag unterlassen werden. Es dient nicht nur der Kräftigung der Körperteile, die zum Schlag oder Stoß benutzt werden, sondern man lernt auch die Kraft des gesamten Körpers im Aufschlag auf die Faust zu konzentrieren. Es ist auch ein guter Weg, ein Gefühl für den Abstand zum Ziel zu entwickeln. Die Elastizität des Holzes ist das Wichtigste um Verletzungen vorzubeugen und eine gute Kraftentwicklung des Körpers zu erzielen. Man kann Pratzen, einen Sandsack, Medizinbälle und vieles mehr zum trainieren nutzen. Wichtig ist es, dass die Hilfsmittel nicht zu hart und zu steif, sondern elastisch und etwas weich sind. Die Übungen sollten ausdauernd und stetig sein, nicht übereilt und die Kräftigung des Körpers muss schrittweise vor sich gehen.
Ein zu unbedachtes, zu schnelles, zu plötzliches oder zu häufiges falsches Schlagen auf die Makiwara kann zu Gelenkverletzungen, Platzwunden, Kapselrissen, Muskel- und Sehnenschäden führen.

Ist es gefährlich ein Makiwara zu verwenden?

Nein, mit vernünftigem, geeignetem Training ist das Üben an der Makiwara sicher. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung ist das Makiwara Training nicht nur dazu da die Hände, die Ellbogen, die Füße abzuhärten, sondern auch um die Übertragung der Energie zu entwickeln. Langfristiges Training an der Makiwara kann zu unansehnlicher hornartiger Haut führen, dass begrenzt sich aber auf die Oberfläche, die darunter liegenden Strukturen der Gliedmaßen werden nicht angegriffen.

Viele Studien wurden erhoben um festzustellen ob Kampfsport Training mit Kontakt (kein Vollkontaktsport, sondern Kontakt auf Makiwara, Boxsack, Pratzen usw.) ungesund für den Körper ist. Eine Studie von 1985 im „British Journal of Sports Medicine“ hat nachgewiesen, dass es keinen verfrühten Beginn von Arthrose (Gelenkschaden durch die Abnutzung des Knorpels) oder Tendonitis (Entzündung des Sehnengewebes) in den Händen der Probanden gab. Eine Veröffentlichung im „Journal Medicine and Science in Sports“ (1970), welche einen Vergleich von Röntgenaufnahmen der Hände von Oyama Masutatsu, aus den Jahren 1955 und 1970 bespricht. Obwohl der Begründer des Kyokushinkai 15 Jahre lang zwischen den Untersuchungen jeden Tag am Makiwara geübt hat, erklärte die Studie:
Makiwara-Training Sensei Züllich„Es gibt keinen Beweis irgendeiner degenerativen Erkrankung der Knochen und Gelenke. Die Dichte und Größe der Knochen und Gelenke ist normal. Es gibt keinen Beweis von alten Brüchen irgendeines Knochen. Ebenfalls gibt es keine Beweise von Verkalkung der Knochen, Gelenke oder Weichteile.“

Bei der Besprechung dieser Studien, fasste der britische Sportmediziner Keith McCormack folgendes zusammen:
„Anerkanntes Kontakttraining mit korrekt ausgeführter Technik, die für den momentanen Stand des Trainings geeignet sind, verursachen keinen Schaden an den Händen.“

Diese Zusammenfassung wurde in der Ausgabe Dezember 1985, des Fighting Arts International Magazins veröffentlicht. In gut trainierter Verfassung, vernünftig benutzt, ist das Üben an der Makiwara ungefährlich und ein vorteilhafter Weg, um Schlag- und Stoßkraft sowie die Übertragung von Energie in den Kampfkünsten zu trainieren.

Hinweise für Kinder und Jugendliche

Kindern und Jugendlichen ist ein hartes Makiwara -Training nicht zu empfehlen, da sich der Körperbau noch in der Entwicklung befindet. Dennoch brauchen sie nicht auf das Makiwara-Training verzichten, denn das Schlagen und Treten sollte hier mit freien Zielen durchgeführt werden. Dazu dienen zum Beispiel, Gummibälle, die wegfliegen können oder kleine Sandsäcke, die mit Papier gefüllt sind, aber auch Handpratzen oder einfach nur der Gürtel sind gute Trainingshilfen für unseren Nachwuchs.

Das Für und Wieder

Shigeru Egami sah nach verschiedenen Forschungen, welche er in seinem Buch beschreibt ein, dass die Makiwara nicht jenen Zweck zu haben schien, den er sich davon versprach. Er trainierte viele Jahre und testete zahlreiche Methoden aus.

Shigeru Egami: Sollen wir jenen Worten glauben? Meine Meinung hierzu ist, dass ein Makiwara-Training heute nicht mehr wirklich nötig ist. Wir können es uns auch mit einem Boxsack oder Punchingbällen gemütlich machen, keine Frage. Auch ist ein ausgewogenes Krafttraining dem Makiwara-Training vorzuziehen.

Wie benutzt man die Makiwara?

1908 schrieb Yasutsune Itosu, der von vielen als der Vater des modernen Karate angesehen wird:
„Die Hände und Füße sind sehr wichtig, deshalb sollten sie völlig an der Makiwara trainiert werden. Um dies zu tun, lasse deine Schultern sinken, öffne deine Lungen, achte auf deine Spannung, greife den Boden mit deinen Füßen und senke deine innere Energie in deinen Unterbauch. Übe mit jeder Seite 100-200 mal jeden Tag.“

Die Makiwara kann man benutzen, um seine Technik zu verbessern und um die Energieübertragung zu perfektionieren. Es gibt zwei grundsätzliche Arten das Makiwara zu benutzen – langsame Übung und eindringende Übung. Die langsame Übung dient dazu die Technik zu verbessern, während die durchdringende Übung zur Verbesserung der Energieübertragung dient. Da eine gute Technik die Bedingung für die optimale Energieübertragung ist, wird zuerst die langsame Übung ausgeführt.

Das Training

Man beginnt in der Regel mit dreißig Schlägen pro Seite, die nach und nach auf einhundertfünfzig und später vielleicht sogar auf zweihundert oder gar dreihundert gesteigert werden können. Man kann sich auch am Anfang die Gelenke mit Hilfe von Bandagen stabilisieren, um das Verletzungsrisiko zu mindern. Wichtig ist, dass man sich kein Zeitlimit setzt, um die Übung durchzuführen. Langsamer und weniger ist hier besser (langsame Übung)!

Man übt mit einer Vielzahl von Techniken, nicht nur mit Seiken-Zuki. Versuche Tate-Zuki, Shuto- Uchi, Teisho-Uchi, Tettsui-Uchi, Uraken-Uchi, Koken-Uchi, Mawashi-Zuki Mwashi-Uchi, Hiji-Ate, Empi-Uchi, Wan-Uchi (Unterarm), Ura-Zuki, Kagi-Zuki, Haishu- Uchi, Haito-Uchi und auch Hiza- Geri,Mawashi-Hiza-Geri, Mae-Geri keage, Yoko-Geri, Mawashi-Geri, Mikatsuki- Ger, Sokuto-geri. Nicht empfehlen würde Nukite, Fingertechniken wie Washide usw., Hiraken (Mittelknöchel), verschiedene Ippon-Ken (Einknöchelfaust) Techniken. Diese Techniken würde ich eher mit dem Weidenastbündel oder Bambusbündel trainieren.

Die Schläge und Tritte aus unterschiedlichen Stellungen heraus üben, wie Sanchi-Dachi, Zenkutsu-Dachi, Kokutsu-Dachi, Neko-Ashi-Dachi, Kiba-Dachi und auch aus verschiedenen Shizentai wie Heiko-, Heisoku-Dachi, Kosa-Dachi, Sochin-Dachi und Hangestu-Dachi. Man nutzt alle Stellungen die man erlernt hat. Nicht nur aus dem Stand üben, sondern auch aus der Bewegung heraus üben mit Yori-Ashi, Suri-Ashi, Kai-Ashi.

Training an der MakiwaraLangsames Üben
Ein traditioneller Weg die korrekte Haltung und Spannung zu überprüfen ist das Trainieren von Shime (das Testen von Technik und Kraft sowie der Spannung). Dabei läuft ein Schüler eine Atemkata (Sanchin, Hangetsu) und der Lehrer geht um den Schüler herum und drückt oder schlägt auf verschiedene Teile des Körpers, um so die Konzentration und Körperausrichtung sowie Atmung und die Ausführung der Techniken zu überprüfen. Shime hilft dem Übenden sich auf die Teile des Körpers zu konzentrieren, die momentan nicht benutzt werden und gleichzeitig die Konzentration auf den gesamten Körper zu halten. Diese Grundsätze kann man beim Training an der Makiwara ebenso anwenden.

Um seinen Stand zu testen drückt man mit dem Handballen gegen die Makiwara und nutzt den zunehmenden Widerstand des Bretts, um seine Stabilität und Körperausrichtung zu korrigieren. Im Sanchin Dachi soll die Kraft durch den Arm in den Körper und nach unten zu den Fersen wirken. Es ist egal wie stark man gegen das Brett drückt bzw. wie stark das Brett zurückdrückt, die Körperausrichtung darf nicht schwanken. Man kann das natürlich in jedem anderen Stand übertragen und ausführen.

Ähnlich zu der vorangegangenen Übung kann man langsam verschiedene Techniken mit der Faust, den offenen Händen oder den Füßen auf die Makiwara schlagen bzw. treten, um den Effekt des „zurückschlagenden“ Bretts auf den Körper zu fühlen. Man übt jede Technik langsam und sanft und versucht den Widerstand zu halten und zu spüren, um eine korrekte Form und Körperhaltung zu trainieren. Man benutzt eine tiefe Bauchatmung, dass man die Spannung halten kann. Man senkt den Körperschwerpunkt und atmet durch die Nase ein und durch den Mund aus (wie in den oben genannten Katas). Man kontrolliert seine Körperhaltung sowohl während der Ausführung der Technik, als auch beim Auftreffen der Technik auf die Makiwara.

Fauststoß – Übungen

Man streckt die Faust gerade nach vorne, dreht die Hüfte und schlägt mit federndem Ellbogen stark zu. In dem Augenblick des Aufschlagens gibt es einen Rückstoß, der ausgehalten werden muss. Bei einem wirkungsvollen Schlag mit der Faust muss das Handgelenk angespannt werden. Als weiteres sollte die Achsel-, die Rücken- und die Bauchspannung nicht fehlen. Achtet auch auf die richtige Spannung Eurer Stellung! Der Fauststoß ist unwirksam, wenn der Arm beim Auftreffen steif wie ein Stock ist und die Spannungen nicht korrekt umgesetzt werden. Und die Verletzungsgefahr steigt damit auch!

Übungshinweise für das Fauststoß-Training

Man steht in der Frontalstellung vor der Makiwara und stellt sich vor, dass das Aufschlagziel etwa eine Handbreite hinter der Makiwara liegt. Mit aufrechtem Körper streckt man den Ellbogen und stößt die Faust weit vor, wobei die Makiwara nach hinten gedrückt wird. Im Augenblick, da die Faust aufrecht auf die Makiwara schlägt, ist der Ellbogen noch mit der Kleinfingerseite leicht nach unten gebeugt; jetzt benutzt man die Federkraft des Ellbogens und der Schulter, dreht den Ellbogen und die Faust ein, so dass die Faust waagerecht auf der Makiwara liegt. Der Ellbogen wird dabei leicht ausgestreckt. Während die Makiwara in ihre Ausgangsposition zurückfedert, lässt man die Faust leicht auf ihrer Oberfläche ruhen und zieht dann Ellbogen und Hüfte gleichmäßig zurück, um zum nächsten Fauststoß bereit zu sein.

Es ist darauf zu Achten, dass der Ellbogen nah am Körper bleibt!

Der Ellbogen, nicht die Schulter, sollte die Kraft der zurückfedernden Makiwara aufnehmen. Der Schlag ist völlig wirkungslos, wenn Ellbogen und Schultern zu stark verkrampft sind, oder wenn man sich mit dem Oberkörper zurücklehnt. (Verletzungsgefahr im Lendenwirbelbereich!)
Erst übe das drehen der Hüften aus Zenkutsu - Dachi und später aus Fudo - Dachi und Kokutsu - Dachi.
Stetiges üben und langsames Steigern des Schlagtaktes sind unerlässlich!

Schlag – Übungen

Auch hierbei liegt das Aufschlagziel wiederum, wie beim Fauststoß ca. eine Handbreite hinter der Makiwara. Der Weg des Schlages sollte so lang wie nur möglich sein. Hierbei ist es sehr wichtig, das man die Zentrifugalkraft einsetzt!

Übungshinweise für das Schlag-Training

Für Schläge mit der Handkante, dem Faustrücken, den Ellbogen, dem Knie oder dem Fußballen sollte man sich diagonal oder seitlich zur Makiwara stellen. Auch bei den Schlagtechniken daran denken, dass es verschiedene Stellungen gib, welche man mit in das Training einbeziehen sollte.

Eindringende Übung

Richtiges Kime benötigt eine gute Koordination von Körper, Geist und Atmung. Dies klingt einfacher als es ist. Das kann man über das Training an der Makiwara verbessert werden. Schlägt man mit Kraft, so gibt die Makiwara eine positive Antwort, wenn die Technik gut war. War die Technik schlecht so wird man eine negative, und schmerzhafte Antwort bekommen. Die Antwort des Makiwara ist visuell, akustisch und ganz wichtig Fühlen (Kinestetisch). Schlägt man richtig, so fühlt man das Eindringen in den Strohballen, man sieht wie das Brett zurückschnappt und man hört einen explosiven knallenden Laut. Ist der Schlag schlecht biegt sich das Brett nur zurück und man bekommt einen dumpfen Laut zurück.

Was kann man tun damit man sauber korrekte Schläge auszuführt?

Im oben Teil bin ich ja schon auf die Übungshinweise für Schlag- und Stoßtechniken eingegangen. Hier nun weitere detaillierte Ausführungen für ein noch besseres Verständnis.

Entscheidend ist die richtige Ausrichtung des Körpers und der ausführenden Extremitäten, besonders wenn man auf etwas Hartes schlägt. Knochen und Gelenke in den Fingern, der Hand, dem Ellenbogen, der Schulter können für sich einzeln keine größeren Kräfte widerstehen- sie absorbieren, aber als geschlossene Einheit sind sie sehr stark. Man beginnt mit einer fest geschlossenen Faust, hält den Ellbogen eng am Körper und richtet die Knöchel und Handgelenke aus. Bei einem einfachen geraden Zuki sollte die Kraft von der Auftrefffläche der beiden ersten Knöchel (Zeige- und Mittelfinger), durch das Handgelenk in den Arm, über das Schultergelenk in den Körper verlaufen. Das Schlagen mit den ersten beiden Knöchel hilft nicht nur bei der richtigen Ausrichtung und schützt die Hand, sondern durch die kleinere Auftrefffläche wird auch eine größere eindringende Energie erzeugt.

Man entspannt den Deltamuskel (Schultermuskeln), strafft den Latissimus (breiter Rückenmuskel) und die Brustmuskulatur beim auftreffen, um das beste Resultat bezüglich Schnelligkeit und Energie für einen geraden Zuki zu erreichen. Im Moment des Auftreffens sollte alles geschlossen sein, keine offenen oder überdehnten Gelenke. Man richtet Hand und Handgelenk aus. Um eine Kraftlinie von der Hand in den Körper zu erzeugen, muss die Schulter tief und die Achselhöle angespannt sein und nicht hochgezogen und gedehnt. Mit einem gutem Stand und einer guten Muskelspannung, muss der obere und untere Körper eine feste Einheit ergeben. Wird der Körper nicht mit einbezogen schlägt man nur mit dem Arm oder tritt nur mit dem Bein. Ist die Wirbelsäule aufrecht und der Körper beteiligt, schlägt man mit der Energie seines ganzen Körpers. Um den Ellbogen nicht zu verletzen, niemals diesen komplett strecken oder überdehnen. Man schließt alle Muskeln des Arms, aber überstreckt nie den Ellbogen.

Ziel ist es eine explosive, vibrierende Energie zu erzeugen. Es ist wie eine Art des Niesens, eine unerwartete Bewegung. Um das zu erreichen sind Schnelligkeit und Entspannung sehr wichtig, gefolgt von einer augenblicklichen Anspannung im Moment des Auftreffens. Alle Schläge sollten in dieser Art ausgeführt werden. Man schiebt niemals einen Schlag. Will man nur „leicht und locker“ schlagen, so zielt man nur auf die Oberfläche der Makiwara aber führt den Schlag stark aus. Der Zielpunkt bestimmt die Stärke des Eindringens.

Man übt Schläge und Tritte nicht nur aus festen Ständen, sondern auch in Bewegung zur oder weg von der Makiwara und auch aus verschiedenen Winkeln. Die Fähigkeit aus der Bewegung oder während einer Gewichtsverlagerung heraus stark zu schlagen ist in einem Kampf sehr wichtig. Offensive und defensive Techniken aus der Bewegung oder beim Ausweichen eines gegnerischen Angriffs auszuführen muss man beherrschen. Man übt Schritt-, Stepp- und Gleitbewegungen mit jeder erdenklichen Technik, um sicherzustellen, dass man sich im Moment des Auftreffens in einer festen Stellung und im richtigen Abstand befindet. Die Gewichtsverlagerung wird nicht vorher angezeigt, um dann in das Ziel zu explodieren.

Man weiß nie welcher Schlag letztendlich einen Kampf beendet. Deshalb sollte man fähig sein hart zu schlagen, um jeden Schlag „zählbar“ zu machen, egal mit welcher Extremität.

Morio schrieb einst:
„Wenn ein Rechtshänder 100 mal auf die Makiwara schlägt, sollte er versuchen 200 mal mit der linken Hand zu schlagen. Übende sollten immer 2 – 3 mal mehr mit ihren schwächeren bzw. schwächer entwickelten Körperteilen üben, wie mit den Teilen, die sowieso schon gut entwickelt sind.“

MakiwaraGrößenempfehlungen für die Makiwara

Abmessungen: Höhe des Makiwara vom
Körpergröße Boden zur Spitze
155 cm bis 170 cm 110 cm bis 125 cm
170 cm bis 180 cm 130 cm bis 135 cm
180 cm bis 195 cm 140 cm bis 150 cm

Ein einfacher Richtwert ist, dass die Spitze der Makiwara nicht über die eigene Schulter hinausragen sollte. Die Schlagfläche sollte sich ca. in Brusthöhe befinden. Zuerst wird der Holzpfosten korrekt zugeschnitten. Die Makiwara ist an der Spitze wesentlich dünner als an der Basis (verjüngt sich noch oben hin). Diese Form gewährleistet eine hervorragende Biegsamkeit mit ausreichend Widerstand um fest schlagen zu können. An der Spitze ist die Makiwara ca. 2 cm dick und an der Basis ca. 6 cm. Das sind Standartangaben, die je nach Bedarf geändert werden können. Es liegt im Ermessen eines jeden selbst die richtige Stärke zu finden. Doch diese Abmessungen haben sich in der Praxis bewährt.

Die Makiwara wird zu 70 cm in den Boden eingelassen und mit einem Keil festgeklemmt. Der Boden sollte solide und fest sein. Ist der Boden zu locker, lockert sich mit der Zeit auch die Makiwara und die Trainingseffektivtät lässt entsprechend nach. Die Höhe wird errechnet, indem man 70 cm mit der angegebenen Höhe addiert.

Beispiel:
Körpergröße 180 cm, 70 cm + 135 cm = 205 cm Gesamtlänge des Holzpfostens. Danach sägt man diagonal den Pfosten durch, um die Keilform zu erhalten. Man hobelt noch die Kanten und Flächen ab um Verletzungen durch eventuelle Splitter zu vermeiden. Als letztes bespannt man die oberen 10-15 cm mit der Kokosmatte, indem man 3-4 Lagen übereinander legt und mit Klebeband (am besten mit Panzerband) am oberen und unteren Rand fest klebt. Nicht die gesamte Fläche abkleben. Darüber zieht man das Leder oder Leihnen und bindet es an der Rückseite zusammen oder klebt es wieder zusammen. Achtet darauf das die Makiwara senkrecht im Boden steht und nicht nach vorn, hinten oder zur Seite geneigt ist.

Zusammengefasste Tipps

Mit harten Körperteilen immer auf weiches schlagen, stoßen, treten und mit weichen Körperteilen immer auf hartes schlagen, stoßen, treten. Jede Technik muss sauber und konzentriert ausgeführt werden. Weniger ist mehr in diesem Fall und mit schlechten Techniken nimmt nicht nur die Gefahr einer Verletzung zu, sondern es schleifen sich ungewollte Fehler ein.

Immer mit beiden Seiten trainieren. Die schlechtere Seite häufiger trainieren, als die Gute.

Der Körper ist entspannt und wird erst im Moment des Auftreffens angespannt und sofort wieder entspannt. Achtet dabei auf den Klang der Makiwara beim Auftreffen.
Man achtet auf den richtigen Abstand, so dass man in korrekter Haltung die Makiwara treffen kann.

Vor dem Training sollte man überprüfen ob Erkrankungen der Hände oder Füße vorliegen. Dafür immer einen Arzt konsultieren. Also sportärztliche Untersuchung und gleich den Stempel in Pass.

Verletzt man sich während des Makiwara Trainings (Kapselrisse, Quetschungen, Hautabschürfungen mit oder ohne Blutungen) das Training sofort unterbrechen und die Verletzung komplett ausheilen lassen.

Niemals die Makiwara mit einer offenen Wunde benutzen. Hat jemand am Makiwara geblutet, dieses sofort mit Desinfektionsmittel reinigen, damit keine Krankheiten, wie Hepatitis, Aids, Tetanus übertragen werden können.

Am Anfang besser die Handgelenke und Knöchel bandagieren. Hierzu empfehle ich eine elastische Boxbinde von mindestens 3 Metern.

Solange unter Aufsicht eines kundigen Lehrers üben, bis ein gutes Stadium des Könnens erreicht wurde.

Immer Konzentriert üben. Das Handgelenk bei Fauststößen grundsätzlich gerade halten und das Ellenbogengelenk nicht ganz durchstrecken.

Die Korkenzieherdrehung bei Zuki Techniken muss vor dem Auftreffen der Faust auf dem Makiwara beendet sein, da sonst sehr schnell Hautabschürfungen an den Knöcheln vorkommen können. Ein zu spätes eindrehen der Faust ist technisch falsch.

Eine gute Körperspannung erhöht nicht nur die Energie der Techniken, sondern schützt auch den Körper vor Verletzungen.

Immer nur mit dem benötigten Teil der Hände, Ellbogen oder Füße treffen. Übt man Seiken Zuki darauf achten, dass nur die Knöchel von Zeige- und Mittelfinger treffen, da die Seite des kleinen Fingers über die Meridiane mit dem Herzen und anderen Organen verbunden ist.

Man beginnt mit halber Kraft und schlägt nur auf die Oberfläche der Makiwara. Allmählich wird die Kraft der Techniken erhöht und mehr durch die Makiwara hindurch geschlagen. Die Anzahl der auszuführenden Techniken wird erst allmählich gesteigert.

Die Knochen der Fäuste müssen komplett entwickelt und ausgewachsen sein. Daher sollten Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht an der Makiwara üben.

Auch die Makiwara selbst muss in einem guten Zustand sein. Es dürfen kein Splitter vom Holz oder Teile der Polsterung abstehen. Auch sollte das Brett seine Flexibilität lange Zeit erhalten, um die Schläge gut absorbieren zu können.

Es ist besser und gesünder mit einem flexibleren Brett zu arbeiten, als mit einem zu harten.

Training an der MakiwaraSchlußbetrachtung
Der Spitzname der Makiwara lautet „Brett der Weisheit“ und das kommt daher, dass die Makiwara bei jedem Schlag ein sofortige Rückmeldung über die Qualität des Schlages bzw. Trittes gibt. Auch verzeiht uns dieses Brett keinerlei Fehler, sondern bestraft jeden gemachten Fehler sofort. Neben der Verbesserung der Kampftechnik, stärkt das Training an der Makiwara den Willen, kräftig unsere Muskeln und härtet die Gliedmaßen zusätzlich ab. Die Übung an der Makiwara trainiert den ganzen Körper und perfektioniert Schläge, Tritte, Blöcke, Stände sowie Körperbewegungen. Es ist ein guter Weg um die Energieübertragung, das Kime und kampfentscheidende Techniken effektiv zu erlernen und zu trainieren. Mit vernünftigem und geeignetem Üben ist das Makiwara-Training eine wichtige Komponente der Kampfkunstausbildung. Aus diesem Grund habe ich unter der Rubrik "Kihon" bereits das Makiwara-Training absichtlich den drei Säulen das Karate zugeordnet (Kihon, Kata, Kumite und Makiwara-Training).

Wer regelmäßig an der Makiwara trainiert wird die dadurch erlangten Erfahrungen durch kräftigere, stärker, focusiertere Techniken mit in das Kihon nehmen und die Katas werden eine neue kämpferische Ausstrahlung erhalten. Im Kumite wird man seine Erfahrungen durch explosivere und intensivere Techniken umsetzen. Durch das Trainieren an der Makiwara wird man Technik verstehen lernen, diese Technik besser und somit effektiver umsetzen können.

© Copyright Thomas Züllich

Average: 5 (1 vote)