Was bedeuten Senpai und Kohai

Was bedeuten Senpai und Kohai

Senpai Kohai

Was bedeuten Senpai und Kohai wirklich?

Ich habe festgestellt, dass wir die wahre Bedeutung von Senpai und Kohai sowie die dazugehörigen Regeln eigentlich nicht wirklich kennen.

Die beiden Begriffe sind im Dojo sehr verbreitet, aber man ist trotzdem verwirrt und fragt sich, was sie eigentlich bedeuten. Die Verwirrung oder das Missverständnis entsteht, weil die Idee hinter diesen zwei Begriffen eng an das einzigartige japanische kulturelle Konzept beziehungsweise Verhalten gebunden ist. Lasst mich die einzigartige kulturelle Auffassung einmal erklären, damit ihr ein besseres Verständnis davon bekommt, was hinter den zwei Begrifflichkeiten steckt.

Sehen wir uns zuerst die Kanji und deren Bedeutung an, damit die Grundlage und Konstruktion der Wörter verstanden werden. Die Kanji für Senpai sind 先輩 und für Kohai 後輩. Sen (先) bedeutet „früher“, „fortgeschritten“, „zuerst“, oder „voraus“. Sie kennen dieses Zeichen, da es in anderen Karate-Bergriffen wie "Sensei" und „Sen no Sen“ oder „Go no Sen“ verwendet wird. Hai (輩) bedeutet „Gesell“, „Person“, „Kollege“, oder „Leute“. Also ist ein Senpai ein Schüler oder ein Übender der früher mit Karate angefangen hat. Ko後 bedeutet „später“, „danach“, „dahinter“, oder „nach hinten“. Du kannst demnach leicht die Bedeutung von Kohai schlussfolgern. Es ist eine Person die später mit dem Training angefangen hat als ein anderer Übender. Es ist ein Vergleich der normalerweise unter den Übenden im gleichen Dojo aufgestellt wird, aber er kann auch auf größere Organisationen oder gar Ryuha (solche wie Shotokan) ausgeweitet werden.

Das ist ein sehr direktes und einfaches Konzept. Deshalb gibt es im Bezug darauf unter Japanern nur sehr wenig Verwirrung. Hier ein Beispiel; wenn Du mit dem Training im Januar 2000 begonnen hast, dann bist Du ein Senpai für alle Schüler, die mit ihrem Training ab Februar 2014 begonnen haben. Du bist ein Kohai für alle Übenden, die mit ihrem Training vor deinem Anfangsdatum begonnen hatten. Manche Japaner sind sehr präzise, so dass für sie eine noch kürzere zeitliche Differenz als ein Monat bereits den Unterschied ausmacht. Sogar ein Tag der Differenz könnte darüber entscheiden, ob man Senpai oder Kohai ist. Wenn eine Person am selben Tag und zum selben Zeitpunkt beitritt, gilt diese als Dohai 同輩. Do (同) bedeutet „gleich“. Der Laut von do wird mit anderen Zeichen beschrieben und verwechsel deshalb nicht das Do mit populären do (道), welches „Weg“ bedeutet und im Karate-do verwendet wird./p>

In Japan ist das Konzept des Vorranges von großer Bedeutung und die Unterteilung oder Klassifikation wird ausgeübt und erzwungen. Zum Beispiel besteht unter Geschwistern eine bestimmte Hierarchie die von ihrem Alter abhängt. Der/die älteste Bruder/Schwester hat die meiste Macht oder den meisten Respekt im Vergleich zu den anderen Geschwistern. Selbstverständlich kommt einhergehend damit auch die Verantwortung. Das gilt für alle Seiten der japanischen Gesellschaft in verschiedenen Ausmaßen. Die zwei offensichtlichen Orte sind das Dojo, die Schule und Universität. Das gilt auch für einfache Arbeiter, da eine lebenslange Beschäftigung in Japan früher sehr verbreitet war. Obwohl dieser Brauch in japanischen Firmen immer mehr schwindet, findet das Erbe davon, das Bezeichnen des Kollegen als Senpai oder Kohai immer noch weite Verwendung.

Im Abendland gibt es keine strenge Hierarchie die an Zeit gebunden ist. Zum Beispiel wird ein männliches Geschwisterteil einfach nur Bruder oder Schwester genannt. Um zu zeigen, dass diese/r älter ist, muss man das Wort „älterer“ vor „Bruder oder Schwester“ hinzufügen. Im Japanischen gibt es das Zeichen (兄), um das zu beschreiben. Wir viel mobiler und bleiben nicht im selben Dojo über mehrere Jahre und daher findet die Senpai Kohai Beziehung selten Anwendung. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass es viele Mißverständnisse, aber auch Unkenntnis über die Begrifflichkeiten bei uns gibt.

Ich denke, dass in Deinem Dojo unter Senpai, ein älterer Schüler oder sogar eine ausbildende Hilfskraft die nicht dazu qualifiziert ist ein Sensei zu sein, verstanden wird. In manchen Dojos werden alle Schwarzgurte als Senpai und alle Farbgurte als Kohai bezeichnet. Ich verstehe wie es dazu kommt. Nehmen wir an, Du bist ein Shodan, genau wie Dein Senpai, der dem Dojo ein Jahr früher beigetreten ist. Er würde vor Dir als geeignet erscheinen, um eine Prüfung zum Nidan abzulegen. Und nun stelle Dir vor, dass er für einige Jahre mit dem Karate-Training aufhört, aber noch im Dojo Mitglied ist. Dann kannst Du zum Nidan geprüft werden, während Dein Senpai ein Shodan bleibt. Wenn Dein Senpai nun zum Dojo zurückkehrt und wieder aktiv Traniert, werden Sie in der Position des Älteren weiter vorne in der Reihe sitzen. Diese Sitzordnung bleibt in Japan die Selbe, was jetzt aber anders ist, ist die Tatsache, dass er weiterhin Ihr Senpai bleibt, denn der ursprüngliche Zeitpunkt seines Beginns mit Karate-Training ändert sich nicht. Das kann sogar in Japan für einige Verwirrung sorgen, deshalb kann man in einem japanischen Dojo normalerweise keine Prüfung ablegen, wenn nicht erst alle Senpai zuvor die Prüfung abgelegt haben. Das passiert für gewöhnlich aber nur in Schul- und Universitäts-Karate-Vereinen. Dort schreiten alle älteren Schüler zur selben Zeit zum Shodan, Nidan, usw. fort. Aber auch hier ist es inzwischen nicht mehr überall üblich und die Leistungsgesellschaft hält Einmarsch.

Mir ist es Bewusst, dass dieses Konzept in unserer Welt nicht funktioniert und nicht angewendet werden kann. Andererseits finde ich es gut, wenn fortgeschrittene Karateka das Wissen über die kulturelle Auffassung in Japan, dass der Zeitpunkt des Beginns mit Karate der entscheidende Faktor über die Ernennung zum Senpai oder Kohai ist haben. Wenn Du das verstehst, dann wirst auch wissen, warum Okazaki in der Reihe vor Kanazawa sitzt, obwohl er nach Kanazawa den zehnten Dan verliehen bekam.

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